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Es war einmal ... da purzelte Flöckchen vom Ast und wurde ein Tropfen. Der Tropfen fiel in eine Pfütze. In der Pfütze gab es ein einziges Gewimmel. Denn vor Flöckchen wurden viele andere Schneeflocken zu Tropfen.
Flöckchen, die jetzt ein Tropfen war, fühlte eine große Traurigkeit. Es war wärmer geworden. Wenn der Frühling kommt, verliert jede Schneeflocke ihre Einzigartigkeit .Was sollte nun aus ihr werden?



Damals fiel sie vom Himmel, ein wunderschöner weißer leuchtender Stern.  Flöckchen fiel auf den dicken Ast einer Tanne. Das war ein gutes Plätzchen. Sie war schrecklich müde von der langen Reise. So schlief sie ein und erwachte erst am nächsten Morgen. Vom Lärm spielender und tobender Kinder wurde sie geweckt. Große, dicke, dünne, breite, schwere, leichte Menschenkinder. Flöckchen war eine kleine neugierige Schneeflocke und rutschte ganz weit vor, um alles genau sehen zu können. Da wäre sie beinahe kopfüber hinunter gestürzt. All diese Menschen taten etwas. Sie rutschten auf Brettern, zogen Schlitten hinter sich her und kamen von der Spitze des Berges herunter gesaust. Flöckchen wurde es ganz schwindelig beim Zuschauen. Es gab auch Schlitten, die aussahen wie Autos. Sie hatten einen Lenker, aber keine Reifen. Woher wusste Flöckchen, dass es Autos gab?
Wenn jemand so lange auf einem Ast sitzt und nur zuschauen kann, ergibt sich dieses und jenes Gespräch. Zum Beispiel mit den frechen Spatzen, die alles wissen. Flink fliegen sie mal hierhin und mal dorthin. Natürlich gibt es noch andere Tiere im Wald, aber keiner wusste über Autos Bescheid. Der Franz kannte sich aus.
„Bitte, bitte“, bettelte Flöckchen, „erzähl mir, was du alles weißt.“
„Oh“, sagte der Franz, „weit, weit, weit weg von hier gibt es eine Stadt.“
„Wie sieht eine Stadt aus“, fragte die kleine Flocke, „erzähle mir alles über eine Stadt.“
Franz streckte seinen Bauch weit vor und plusterte sich auf. Das tat er, weil er sich für sehr wichtig hielt. „Warst du denn noch nie in einer Stadt?“ fragte er Flöckchen.
„Ich fiel vom Himmel und geradewegs auf diesen Zweig der alten Tanne“, antwortete Flöckchen.
Franz überlegte. Wie sollte er einer kleinen Flocke, die so gar nichts über eine Stadt wusste, eine Stadt erklären. Er wollte es wenigstens versuchen.
„Eine Stadt hat viele Häuser, und in den Häusern wohnen Menschen, antwortete der Franz.
„Was tun die Menschen in den Häusern?“ fragte die kleine Flocke neugierig weiter.
„Woher soll ich wissen, was sie in den Häusern tun?“ antwortete Franz. „Sie wohnen dort. Alle Menschen wohnen in irgendeinem Haus.“
Flöckchen war ein wenig enttäuscht. Sie hätte zu gern gewusst, was die Menschen in den Häusern alles tun. Da der Franz das aber nicht wusste, fragte sie weiter: „Wie sehen die Häuser denn aus?“



Der Franz strich mit seinem Schnabel einige Federn glatt. Er brauchte Zeit, um diese schwierige Frage zu beantworten. Nach einer Weile angestrengten Nachsinnens sagte er: „Wie Kasten. Mal steht ein Kasten allein und mal stehen viele Kasten nebeneinander. Und sie sind bunt; ja, es gibt sie in allen Farben. Es gibt auch Häuser, die sind ein klein wenig anders als andere. Die haben eine Rundung oder zusätzliche Ecken. Und Hüte tragen sie auf dem Kopf. Flache, spitze, breite, schmale Hüte.“
„Die Häuser tragen Hüte?“ fragte Flöckchen den Franz erstaunt.
„Ja, wirklich“, sagte der Franz. „Manche Häuser haben sogar kleine Dächer über der Eingangstür, die sehen aus wie Schildmützen. Sie sind meist nicht so spitz, sondern flacher.“
„Aha“, sagte Flöckchen.
Der Franz war bei dem vielen Reden ins Schwitzen gekommen, denn er hüpfte beim Erzählen von einem Bein auf das andere. Richtig aufgeregt war er.
„Und weißt du, was sie in den Häusern haben?“ fragte der Franz.
„Nein, das weiß ich auch nicht. Ich habe doch noch nie ein Haus gesehen.“
„Löcher“, sagte der Franz.
„Löcher?“ wiederholte die Flöckchen ungläubig.
„Sie nennen es ‚Fenster’. Die sind sehr gefährlich!“
„Gefährlich?“ wiederholte Flöckchen genau so ungläubig.
„Sehr gefährlich!“ Und der Franz streckte seinen Bauch wieder ganz weit nach vorn. Wer wusste im Wald schon, dass es in der Stadt Löcher gab, die ‚Fenster’ heißen und sehr gefährlich waren.
„Wieso?“ fragte Flöckchen. „Was ist denn an diesen Fenstern so gefährlich?“
Endlich konnte Franz von seinem schlimmen Unfall erzählen. Die kleine Flocke hatte wirklich keine Ahnung, wie ruhig und friedlich es hier war, auf der alten Tanne, weit weg von gefährlichen Löchern, die die Menschen ‚Fenster’ nennen.
Jetzt mischte sich die alte Tanne in das Gespräch der beiden ein: „Na, Franz, hast du wieder jemanden gefunden, dem du deine Geschichte erzählen kannst.“
Dann lachte die alte Tanne: „Ist schon gut, Franz. Brauchst nicht gleich beleidigt tun. Flöckchen will es wirklich wissen. Ich habe deinen Geschichte bereits viele Male gehört.“
Und wieder lachte die alte Tanne. Da sie sich dabei bewegte, musste die kleine Flocke tüchtig aufpassen, dass sie nicht herunter purzelte.
„Aber“, sagte die alte Tanne, „Spaß macht es mir trotzdem, zuzuhören. Du bist eben ein richtig kluger Spatz.“
Der letzte Satz versöhnte den Franz wieder mit der alten Tanne. Sein kleiner Bauch plusterte sich wieder auf, und er schob ihn voller Stolz nach vorn. Er war tatsächlich ein kluger Spatz, nicht wie alle Spatzen. Sie waren alle grau. Niemandem wäre Franz da aufgefallen. Er konnte nicht schön singen, und in seinem Federkleid fehlte jegliche Farbe; kein gelb, kein blau, kein rot, kein grün, eben grau.
Dafür war er aber ein guter Geschichtenerzähler: „Bestimmt wäre ich längst berühmt, wenn ich nur schreiben könnte, so wie die Menschen. Die schreiben Geschichten auf weiße Blätter mit seltsamen Geräten, die klappern. ‚Schreibmaschinen’ sollen das sein. Das geht viel schneller, als wenn sie jeden Buchstaben mit der Hand aufschreiben müssen. Wer viel Geld hat, jedenfalls mehr als die, die noch mit der Schreibmaschine klappern, besitzt einen Kasten, den nennen sie ‚Computer’.“
Das ist aber selbst für den Franz zu viel, zu erklären, was man damit alles machen kann.
„Wenn jemand viele Geschichten kennt, dann werden eben viele weiße Blätter beschrieben. Die vielen Blätter legen sie dann auf einen Haufen und pressen sie ganz fest zusammen. Den Rand von den vielen gepressten Blättern beschmieren sie mit so einem klebrigen Zeug und legen alles zusammen zwischen zwei Deckel. Das, was dann fertig ist, wenn das klebrige Zeug trocken ist, ist dann ein ‚Buch’. Dann können die Menschen die ganzen beschriebenen Seiten umblättern, ohne das ein einziges davon her ausfällt.“
Ob er wohl alles richtig erklärt hat, dachte Franz bei sich. Aber die kleine Flocke hatte ja noch nie ein Buch gesehen; da wird sie einen Fehler in seiner Erzählung auch nicht bemerken.
„He, Franz, was ist mit den Häusern und den Löchern, die Fenster genannt werden? Träumst du?“ fragte Flöckchen.
Der alte Tannenbaum lächelte: „Du, der Franz will später Bücher schreiben. Ja, ja, das will er! Wie die Menschen Bücher schreiben! Und soll ich dir etwas verraten? Wenn er erst einmal schreiben kann, wenn jemand dem Franz das Schreiben beibringt, dann glaube ich an seine Bücher. Der Franz ist ein besonders kluger Spatz. Aber das sagte ich ja schon.“
Franz hatte sich jetzt derart aufgeplustert, dass er aussah wie ein dicker runder Ball. Flöckchen betrachtete ihn von der Seite mit einem besorgten Blick. Er wird doch nicht etwa gleich platzen? Und um ihn abzulenken, fragte Flöckchen erneut nach den Löchern in den Häusern, die gefährliche Fenster waren.
„Das war so“, begann der Franz seine Erzählung, „an einem herrlichen Frühlingstag flog ich in die Stadt.“
„Wie heißt die Stadt?“ wollte die kleine Flocke wissen.
„Weiß ich nicht; jedenfalls nicht genau. Du musst wissen, ich habe nicht immer hier in diesem Wald gelebt. Ich bin viel herumgekommen und war mal in dieser Stadt, mal in jener.“
„Du hast es gut“, sagte die kleine Flocke, „du kannst fliegen und dir alles an-schauen. Ich kann das nicht.“
„Ich kann auch nicht fliegen“, sagte die alte Tanne, „und ich will es auch gar nicht können. Mir gefällt der Platz, an dem ich stehe. Es hat viele Vorteile, immer auf dem Selben Platz zu stehen.“
„Am Ende hat der Name der Stadt vier Buchstaben“, fiel es Franz wieder ein, „ein B und ein U und ein R und ein G.“
„Die Stadt heißt HAMBURG, hinten BURG und vorne HAM“, kam die alte Tanne zu Hilfe.
„Genau! HAMBURG“, sagte der Franz, „ danke. Ich hatte es schon wieder vergessen. Die Stadt ist riesengroß. Ich brauchte mehrere Flugstunden, um von einem Ende der Stadt zum anderen Ende zu fliegen.“
      Flöckchen war sichtlich beeindruckt, vorstellen konnte sie sich die riesengroße Stadt aber nicht. Sie war schließlich noch in keiner Stadt gewesen, nicht einmal in einer kleinen. Fast wurde sie traurig. Das wäre ein tolles Erlebnis, in einer solch riesengroßen Stadt zu sein.
Franz setzte seine Erzählungen fort: „Ich war von dem Überfliegen der Großstadt müde geworden. Deshalb flog ich in einen Garten. Der war besonders schön, denn es war Frühling, und da blühen viele Sträucher und Blumen und Bäume. Ich setzte mich auf einen Zweig und ruhte aus. Ich bin sogar eingeschlafen vor lauter Erschöpfung und Müdigkeit. Als ich aufwachte, war es schon Mittag; die Sonne stand ziemlich hoch und ich hatte Hunger. Ich flog hierhin und dort-hin; als Vorspeise eine Fliege; neben einem Abfalleimer lagen ein paar Krümel. Wir sind sehr für Sauberkeit, musst du wissen, und deshalb pickte ich sie alle auf. Ich fand sogar einen langen Wurm; das war ein richtiger Glücksfall.
Da ich so beschäftigt war mit meinem Hunger, war ich nicht aufmerksam genug. Es duftete überall und überall zirpte und piepste es, das lenkte mich ab. Jedenfalls hatte ich den dicken, fetten Kater, der versteckt hinter einem Busch lauerte, nicht bemerkt.“



„Ist denn ein dicker, fetter Kater gefährlich?“, fragte Flöckchen.
„Was für eine Frage“, ereiferte sich Franz, „genau so gefährlich wie die Löcher, die Fenster genannt werden. Was glaubst du, wie gern dicke, fette Kater kleine graue Spatzen fressen!“
Jetzt erschrak Flöckchen: „Da wärst du ja tot, wenn der Kater dich gefressen hätte. O, das wäre schrecklich.“ Und sie fing an zu weinen. Ein klitzekleiner Tropfen fiel vom Ast zur Erde.
„Beruhige dich wieder! Der dämliche Kater hat mich nicht erwischt. Das Leben in einer Stadt ist eben nicht einfach“, seufzte Franz, „du musst flink und schnell sein und hellwach!“
So schön, wie Flöckchen gedacht hatte, war eine Stadt wohl doch nicht, wenn ein dicker, fetter Kater einen kleinen Spatz fressen will. „Das ist richtig gemein“, dachte die Flocke. „Was passierte dann?“, fragte die kleine Flocke weiter.
„Es gab ein mittleres Erdbeben“, sagte der Franz, „der Strauch, in dem ich saß, wurde nach allen Seiten auseinander gebogen. Was da alles hoch ging. Wenn ein dicker, fetter Kater in einen Strauch springt, das kannst du mit einer Explosion vergleichen.“
„Eine Explosion?“, fragte Flöckchen.
„Es fliegt alles in die Luft“, sagte der Franz, „und ich auch. Ich war derart erschrocken, dass ich nicht mehr klar denken konnte und einfach auf ein Loch zuflog, das Fenster genannt wird. Vor diesem Loch hingen keine weißen Fetzen oder Lappen.“
„Was für Fetzen oder Lappen?“, wollte Flöckchen jetzt wissen.
„Die Leute, die in dem Kasten wohnen, dass sie Haus nennen, hängen vor ihre Löcher, die sie Fenster nennen, Lappen, die sie Gardinen nennen. Die sind meist weiß und an den Seiten, rechts und links, bunt.“
„Aha“, sagte die kleine Flocke, weil sie nicht dumm aussehen wollte, „Gardinen hängen sie vor ihre Fenster.“
„Nicht   v o r   ihre Fenster;  h i n t e r   ihre Fenster. Das war ja genau das Problem, das ich damals noch nicht kannte. Wenn   k e i n e   Fetzen oder Lappen hinter den Fenstern hängen, denkst du, du kannst durch das Loch in den Kasten fliegen und bist in Sicherheit vor einem …“
„Dicken, fetten Kater“ vollendeten Schneeflöckchen und Tanne den Satz im Duett und mussten dabei lachen.
Franz war gar nicht zum Lachen zumute, deshalb vollendete er den Satz auf seine Art: „Du denkst, du bist in Sicherheit. Stimmt aber nicht. Du prallst unsanft ab und tust dir schrecklich weh.“



„Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr“, verzweifelte Flöckchen, „ist denn da noch etwas Hartes vor dem Loch, das sie Fenster nennen?“
„Und ob“, sagte der Franz, „richtig lebensgefährlich hart. Sie nennen es Glas. Du kannst durchschauen. Du denkst, da ist nichts und rums - liegst du auf dem Fensterbrett. K.O.-Schlag! Verstehst du?“
„Nein, wie geht das denn?“, fragte Flöckchen wieder. Ich sehe nichts, ich sehe hindurch, und dann verletze ich mich auch noch so schlimm?“
„Ja, ja, was die Menschen sich alles ausdenken“, nickte die Tanne.
„Das tut mir aber sehr leid, dass du gegen solch ein Fenster geflogen bist. Was geschah dann?“, drängte die Flocke, weil sie doch die Fortsetzung wissen wollte.
„Ich ‚schlief’“, sagte der Franz, „bis ich wieder aufwachte und fürchterliche Kopfweh hatte. Ich wusste erst einmal gar nichts mehr. Dann erinnerte ich mich an den dicken, fetten Kater. Ich schüttelte mich und schaute nach rechts und nach links, nach oben und nach unten. Da – da saß er noch!“
„Wer?“, fragte Flöckchen, als hätte sie einen Moment lang nicht aufgepasst, was aber gar nicht stimmte. In Wirklichkeit war sie so aufgeregt, dass sie schon alles Mögliche vermutete.
„Der dicke, fette Kater natürlich!“ antwortete Franz ganz energisch. „Das Brett vor dem Fenster war zum Glück derart hoch, dass der dicke, fette Kater nicht hochspringen konnte. Nachdem ich das festgestellt hatte, schaute ich in seine großen, kugelrunden Augen. Ich hielt seinem Blick stand. Dann lachte ich ganz laut und zeigte mit meiner Kralle auf das Fensterbrett. Der Kater ärgerte sich schwarz über mein lautes Lachen und fauchte und sprang an der Hauswand hoch. Nachdem er das ein paar mal getan hatte und die Sinnlosigkeit seines Benehmens erkannte, fauchte er mich an: ‚Diesmal bist du mir noch entwischt. Das nächste Mal fresse ich dich auf und lasse nichts von dir übrig außer deinen hässlichen grauen Federn.’ Dann drehte er sich um und war verschwunden.
Das war mein Erlebnis mit dem Loch, das die Menschen Fenster nennen. Trotz meiner Beule am Kopf war ich froh, sozusagen auf die Start- und Landebahn gefallen zu sein. Es hat sich nur um wenige Zentimeter gehandelt, dann hätte mich der dicke, fette Kater erwischt. So aber ist es noch einmal gut gegangen.“
Flöckchen war müde geworden vom Erzählen und Zuhören und schlief mitten im letzten Satz ein. Franz sah seine kleine Freundin Flöckchen an, wie sie schlief und flüsterte: „Wir müssen jetzt aufhören mit erzählen.“ Die alte Tanne nickte.
„Der Winter ist noch lang genug, für viele schöne Erzählungen. Du bist wirklich ein kluger Spatz, ich bin stolz auf dich mein lieber Franz. Gut das Flöckchen nicht sah, wie der Franz sein Bäuchlein vorstreckte, ihr wäre Angst und Bange geworden.




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